Über die Geschichte und Herstellung von Kelims

Über die Geschichte und Herstellung von KelimsKelims (türkisch Kilim, persisch  Gelim) sind gewebte Teppiche oder Wandbehänge. Die Besonderheit ist, dass der Schussfaden auf beiden Seiten des Kelims das Muster bildet. Herkunftsgebiete dieser Kelims sind vorwiegend Anatolien, das Kaukasusgebiet und Persien.
Die Webkunst ist eine der ältesten Handwerkskünste der Menscheit. Die ältesten heute bekannten und künstlerisch bereits hervorragenden Kelime stammen aus dem 16. Jahrhundert. Andere, mittels der Radiokarbonmethode analysierte Kelimfragmente wurden auf das 13. bis 14. Jahrhundert datiert. Anatolische Textilfragmente aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. deuten auf eine noch ältere Kenntnis der Schlitzkelimtechnik. Die Theorie, dass bereits im Neolithikum Kelims gefertigt wurden, wird nach Ausgrabungsfunden in Catal Hüyük (Türkei) heute wissenschaftlich diskutiert.

Nutzung von Kelims

Das Weben von Kelims geht auf eine jahrhundertealte und vorislamische Tradition zurück. Nomaden haben auf Webstühlen ihre Zeltbehänge, Bodenbeläge und Decken gewebt. Muster und Motive wie Pflanzen oder Tiere sind Abbilder aus der natürlichen Umgebung. Die Frauen der verschiedenen Nomadenstämme haben über Generationen ihre eigenen Varianten hervorgebracht und überliefert. Mit dem Rückgang der Nomadenvöker hat auch die Produktion für den Eigengebrauch stark abgenommen.

Herstellung

Ein Kelim wird aus zwei Arten von Garn und Faden hergestellt: Kette und Schuß. In der Grundform ist dies eine sehr einfache Webmethode. Sie lässt sich bis in prähistorische Zeiten zurückverfolgen.

Die Kettfäden bestimmen durch den Abstand zueinander auf dem Webrahmen die Breite des Kelims. Die Länge der Kettfäden bestimmt die maximale Länge des Kelim.

Die horizontalen Schussfäden, die über und unter nebeneinanderliegenden Kettfäden geführt werden, kennzeichnen den Kelim. Die Schussfäden werden fest genug aneinander geklopft, so dass die vertikalen Kettfäden verdeckt sind. Daher verdankt ein Kelim ausschliesslich den Schussfäden sein Erscheinungsbild. Alle Muster sind das Ergebnis der nebeneinander gesetzten Schussfäden mit unterschiedlichen Farben. Daher können für die Kette auch ungefärbte Garne verwendet werden. Die Garne für die Schussfäden sind hingegen farbig.

Schlitz-Technik

Eine Besonderheit sind Schlitzkelims. Bei diesen wird genau an der gleichen Kette der Schussfaden umgekehrt, so dass im Gewebe ein Schlitz entsteht. Wenn bei einem Muster- auch ein Farbwechsel in seitlicher Richtung erfolgt, wird der letzte farbige Schuss um den letzten Kettfaden der entsprechenden Farbfläche herumgeführt. Daher entsteht bei angrenzenden Flächen ein vertikaler Schlitz. Diese namengebenden Schlitze werden für den Erhalt einer größeren Gewebefestigkeit möglichst klein gehalten.

Verbreitung von Kelims

Die Zentren der Kelimherstellung sind vor allem das anatolische, armenische und iranische Hochland sowie Transkaukasien, der Hohe Kaukasus und die ans Afghanische Hochland angrenzenden Regionen.

Anatolische Kelims

Anatolische Kelims sind durch ihre Farbbrillanz und das Farbspiel der Muster gekennzeichnet. Durch die unüberschaubare Fülle von Kelim-Designs ist es schwierig, jeden einzelnen Kelim akkurat zuzuordnen. Letztlich sind Farbe, Muster, Webung, Größe und Materialien entscheidend. Anatolische Kelims wurden und werden von nomadischen Vökern hergestellt. Dazu zählen die indigenen Kurden, sowie seßhaft gewordene Turkvöker und die oghusischen Seldschuken und Oghuz Osmanen. Am bekanntesten und meisten geschätzt werden Kelims, die traditionelle Provinzbezeichnungen von Städten, Regionen und Dörfern haben, wie Konya, Malatya, Karapinar und Denizli.

Kaukasische Kelims

Der Kaukasus ist ein Gebiet mit wechselvoller Geschichte und uneinheitlicher Besiedelung. In der stark zerklüfteten Landschaft des großen Kaukasus, sowie in Nord-Kaukasien und dem südlichen Transkaukasien, haben sich einzelne Stämme angesiedelt und, zum Teil bis heute, ihre Unabhängigkeit bewahrt und ihre eigene Kultur gepflegt. Eine Eigenart kaukasischer Kelims ist die Wiederholung strenger geometrischer Motive in horizontaler Anordnung. Besonders deutlich ist das bei den im Kazak- und Schirwangebiet hergestellten Schlitzkelims zu sehen.

Persische Kelims

Frühe arabische und persische Dokumente erwähnen Teppiche, ohne zwischen Knüpf- und Webteppich deutlich zu unterscheiden. Im Hudud-al-Alam-Text aus dem 11. Jahrhundert findet man Hinweise auf Kelims aus Transoxanien, aus Tabaristan und Fars. Persische Kelims werden hauptsächlich von Nomaden hergestellt, als Teppiche ohne Flor oder als Taschen und Zeltvorhänge. Orange ist bei den Gaschgai Nomaden als Akzentfarbe sehr beliebt. Sechsecke, sogenannte Güls, sowie Quadrate finden sich ebenfalls häufig in Bordüren von Kelims aus Südpersien.

Patchwork-Kelims

Patchwork-Kelims sind handgewebte Teppiche, die aus neuen und älteren Kelims sowie Satteltaschen, Teilen von Nomadenzelten usw. zusammengefügt sind. Die einzelnen Teile werden zu neuen, überraschenden Mustern und in verschiedenen Größen vernäht. Die Teppiche stammen meistenteils von Nomaden des Iran oder der Türkei. Gemeinsam ist ihnen die Harmonie von Farben und Mustern.