2016 Kiran Interview in Berliner Morgenpost

Für die Ausgabe der Immobilienwelten am 8.10.2016 von Berliner Morgenpost und Berliner Zeitung wurde Herr Kiran zu einem Interview gebeten.

In diesem Artikel erzählt er von seiner Leidenschaft zu Kelims und von seiner Liebe zum Theater und zur Kunst. Und er berichtet, wie ihn sein Weg aus Ankara über Rom, Mailand und Genf bis nach Berlin führte. Hier in Berlin führt Kiran sein Geschäft seit nunmehr 16 Jahren im Stilwerk, seit fünf Jahren zusammen mit seiner Partnerin Janette.

 

Hinter Kiran an der Wand hängt ein Bild von Holger Lippmann und auf dem Foto von der Kelimausstellung „Pax de deux“  im Sommer 2016 im Stilwerk sind Plastiken des Bildhauers Thomas Reichstein abgebildet .

Kelimausstellung „Pax de deux“ >>

www.holgerlippmann.de >>

www.bildhauerei.org >>

 

Das ganze Interview:

Den Bassa Selim aus Mozarts Oper „Die Entführung aus dem Serail“ nimmt man ihm sofort ab. Und nicht nur, weil er diese Rolle rezitieren kann. Nein, Orhan Kiran entspricht mit seiner Wallemähne, dem grauen Bart, seinem aufrechten Gang und dem festen Händedruck ziemlich genau dem Klischee vom erfolgreichen Kaufmann. Mit einem kleinen, aber entscheidenden Unterschied zum Original. Aber davon später. Jetzt interessiert erst einmal der Mann, der uns im zweiten Stock einer Zehlendorfer Gründerzeitvilla empfängt und seit mehr als 20 Jahren versucht, seine Leidenschaft für gute Teppiche auf das Berliner Publikum und seine auswärtigen Gäste zu übertragen. Zuerst mit Hilfe seines Ladengeschäfts in der Bleibtreustraße, später im Stilwerk Berlin. Was ihm ganz gut gelungen sein muss. da er im vergangenen Jahr mit „Kiran Kelim & Teppich Kunst“ 15-jähriges Stilwerk-Bestehen feiern konnte.

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Kiran Interview in Berliner Morgenpost, Okt. 2017

Kleine Familienbetriebe. Die Keims  —  allesamt „Nachfahren“ der von Nomaden in der vorislamischen Zeit erfundenen Bodenbeläge und Wandbehänge  —  Teppiche und Läufer, die bei „Kiran“ verkauft werden, sind aus natürlichen Materialien wie Wolle, Hanf und Seide sowie ganz traditionell von Hand gefertigt. „Ich kenne alle meine Hersteller in Anatolien und Persien persönlich“, erzählt Kiran. Der, wenn man ihn nach der Bedeutung seiner „Ware“ fragt, gern Edgar Allan Poe („Sein Zimmer“) zitiert „Der Teppich ist die Seele des Zimmers“. Der das im Verständnis des 61-Jährigen nur deshalb sein kann, weil bei dessen Herstellung höchste Qualität und faire Behandlung aller Beteiligten garantiert sind. „Ich könnte mich nicht an einem Kelim erfreuen, der von Kindern gewebt wurde“, sagt Orhan Kiran. Die bei ihm verkauften Kelims und Teppiche werden nach wie vor in kleinen Familienbetrieben traditionell gewebt und geknüpft und sind Zeugnisse einer Jahrtausende alten traditionellen Handwerkskunst. „Das handwerkliche Geschick und die Hingabe der Weberinnen und Knüpferinnen in ihrer Arbeit“, so Kiran, „bestimmen den einzigartigen Charakter dieser unverwechselbaren Unikate und finden deshalb unsere höchste Wertschätzung.“

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Interview mit Kiran über sein Leben mit Kelims

Brennen für alte Dinge. Zum Teppich kam Orhan Kiran übrigens wie die Jungfrau zum Kinde. Mit dem Ziel, Bühnenschauspieler zu werden, hatte er vor gut 40 Jahren an der Hochschule der Künste in Ankara begonnen zu studieren. Nach dem ersten Semester lud ihn ein mit der Familie befreundeter Antiquitätenhändler ein, ihn in den Sommerferien bei seinen Reisen zu begleiten und sich etwas dazu zu verdienen. Der Rest ist Geschichte. Kiran fing Feuer für alte Dinge und kaufte sich bald seinen ersten kleinen Teppich. War es am Anfang eher Hobby, sorgte spätestens eine nicht unerhebliche Finanzspritze seiner Mutter dafür, dass daraus relativ zügig etwas wurde, womit sich gutes Geld verdienen ließ. Zuerst ausschließlich in der Türkei unterwegs, tat sich Orhan Kiran schnell auch in Mailand, Rom und München um, eröffnete in Genf eine Teppich-Galerie und betrieb später im Hamburger Freihafen einen Großhandel.

Besondere positive Energie. „Ich wollte aber nicht nur handeln, sondern auch selbst entwerfen“, erzählt Kiran. Der beste Ort, etwas Neues auszuprobieren, schien ihm Anfang der 1990er Jahre Berlin zu sein. Eine Stadt, die aus seiner Sicht bis heute eine ganz besondere positive Energie ausstrahlt. Vom Entwerfen eigener Muster hat sich Kiran inzwischen „etwas zurückgezogen“. Stattdessen entdeckte er unlängst seine alte Leidenschaft fürs Theater wieder und stand in einem deutsch-türkischen Integrationsprojekt als Bassa Selim auf der Bühne. Seine neueste Liebe gilt dem Tango, dem er sich zweimal die Woche mit seiner Lebensgefährtin und Geschäftspartnerin hingibt. Das Allerschönste: Ganz im Gegensatz zum unglücklich verliebten Mozart-Helden, wurde Orhan Kiran erhört. Demnächst nämlich ist Hochzeit.