Pas de deux – Plastiken von Thomas Reichstein und Kiran Kelims im Stilwerk

Kelims – Zeichen einer alten Kultur die große Landstriche miteinander verbindet. Kiran’s Sammlung zeigt die Vielfalt dieser gewebten Bodenschätze.

Studienaufenthalte in der Südsee inspirierten den Bildhauer Thomas Reichstein zu seinen großformatigen Rattan-Tapa-Plastiken.

Gemeinsam entführen sie uns mit ihrem „Pas de deux“ in das Reich der Phantasie.

Ausstellung vom 8. bis 22. August 2016

wir laden herzlich ein zur Ausstellung „Pas de deux“ im Stilwerk-Foyer.

Eine große Freude ist es uns, die selten in Berlin gezeigten Arbeiten des Bildhauers Thomas Reichstein im Zusammenspiel mit ausgesuchten Kelims aus der Kiran-Sammlung präsentieren zu können. Solisten verbinden sich zu Paaren, die ihrem inneren Klang folgend den Raum um sich herum neu gestalten. Erleben Sie den Zauber natürlicher Materialien die uns schon seit Jahrtausenden auf vielfältige Weise begleiten.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Mit herzlichen Grüßen,

Janette Steuer und Orhan Kiranoglu


Ausstellung 8. – 22. August 2016

Vernissage 8. August 19:30 Uhr

stilwerk Foyer und 3. Etage bei Kiran
Kantstraße 17, 10623 Berlin


 

Vita Thomas Reichstein

  • 1960 geboren in Halle (Saale)
  • Gärtnerlehre
  • Studium der Landschaftsarchitektur, TU Dresden Studium der Bildhauerei, HfBK Dresden
  • 1992 – 1997 Studienaufenthalte in Ghana bei den Gelbgießern
  • 1995 – 1996 Studienaufenthalte Papua-Neuguinea
  • Seit 1999 wiederholt mehrmonatige Arbeitsaufenthalte in einer Buddhagießerei in Thailand
  • Thomas Reichstein ist mehrfacher Preisträger sowie seit 2012 Vorstandsvorsitzender des Neuen Sächsischen Kunstvereins                                                                                                                                                       

Ausstellungsbilder – Kelims und Rattenplastiken im Stilwerk Berlin


Rattan-Tapa-Plastiken von Thomas Reichstein

Bei seinen Studienaufenthalten in der Südsee in den Jahren 1995 und 1996 erlernte Thomas Reichstein das Malanganschnitzen auf der Insel Neuirland in Papua-Neuguinea. Inspiriert durch die vielfältigen Eindrücke auf seinen Reisen entwickelte er, zurückgekehrt nach Deutschland, eine spezielle Art von Rattan-Rindenbaststoff-Plastiken. Die Tapan-Stoffe, die aus dem Rindenbast des Papiermaulbeerbaumes (Broussonetia papyrifera) hergestellt wurden, brachte Thomas Reichstein von seinem Aufenthalt auf Neuirland mit.
Entsprechend der lokalen Tradition wird dort die innere Rinde von den jungen, noch dünnen Stämmen des Papiermaulbeerbaumes geschält. Man erhält Streifen von circa 10 cm Breite. Diese werden auf hölzernen Unterlagen mit ebenfalls hölzernen Tapan-Schlägern auf Breiten von etwa 58 cm geklopft. In den Dörfern gehört dieses monotone Klopfen, dass allgegenwärtig ist, so zum Leben, dass man es nach einer Weile gar nicht mehr wahrnimmt. Nach dem Trocknen der nun über 50 cm breiten Streifen werden die Tapanstoffe mit kleinen, an den Enden ausgefaserten Holzstäbchen mit schwarzen und roten Naturfarben bemalt.
Die schwarze Farbe wird aus manganhaltigen Erden gewonnen und die rote Farbe aus einem Sud von Blättern des Baumes „dum“ und der Rinde des Baumes „dum fara“. Die geschickten Maler zeichnen mit Schwarz die Formen und Symbole vor. Diese werden später von den weniger Begabten mit der roten Farbe ausgemalt.
Mit mystischen Symbolen und Klanzeichen geschmückt finden Tapanstoffe traditionell als Klan-Tapans zeremonielle Verwendung. Auch als Kleidung (Lendenschurz für Männer und Frauen) oder auch als Babytragen wurden die bemalten Baststoffe genutzt. Heute ist diese Art der Nutzung jedoch nicht mehr üblich da auch auf Neuirland inzwischen die allgemein übliche Kleidung getragen wird.

Die bei Kiran im Stilwerk Berlin gezeigten Skulpturen entstanden in der ehemaligen Schlossküche des Barockschlosses Dresden-Pillnitz.


Über Kirans Kelims

Kelims sind gewebte Teppiche oder Wandbehänge. Die Besonderheit ist, dass der Schussfaden auf beiden Seiten des Kelims das Muster bildet. Herkunftsgebiete von Kelims sind vorwiegend Anatolien, das Kaukasusgebiet und Persien.

Geschichte

Die Webkunst ist eine der ältesten Handwerkskünste der Menscheit. Die ältesten heute bekannten und künstlerisch hervorragenden Kelims stammen aus dem 16. Jh.

Nutzung

Das Weben von Kelims geht auf eine jahrhunderte alte und vorislamische Tradition zurück. Nomaden haben auf Webstühlen ihre Zeltbehänge, Bodenbeläge und Decken gewebt. Muster und Motive wie Pflanzen oder Tiere sind Abbilder aus der natürlichen Umgebung.

Verbreitung

Die Zentren sind vor allem das anatolische, armenische und iranische Hochland sowie Transkaukasien, der Hohe Kaukasus und die ans Afghanische Hochland angrenzenden Regionen.

Herstellung

Ein Kelim wird aus zwei Arten von Garn und Faden hergestellt: Kette und Schuss.
In der Grundform ist dies eine sehr einfache Webmethode, die sich bis in prähistorische Zeiten zurückverfolgen lässt.

Schlitz-Technik

Eine Besonderheit sind Schlitzkelims. Bei diesen wird genau an der gleichen Kette der Schußfaden umgekehrt, so dass im Gewebe ein Schlitz entsteht.

Anatolische Kelims

Anatolische Kelims sind durch ihre Farbbrillianz und das Farbspiel der Muster gekennzeichnet. Sie wurden und werden vorwiegend von nomadischen Völkern hergestellt.

Persische Kelims

Frühe arabische und persische Dokumente erwähnen Teppiche, ohne zwischen Knüpf- und Webteppich klar zu unterscheiden. Im Hudud-al-Alam-Text aus dem 11. Jahrhundert findet man Hinweise auf Kelims aus Transoxanien, aus Tabaristan und Fars. Persische Kelims werden hauptsächlich von Nomaden hergestellt, als Teppiche ohne Flor oder als Taschen und Zeltvorhänge. Orange ist bei den Gaschgai Nomaden als Akzentfarbe sehr beliebt. Sechsecke, sogenannte Güls, sowie Quadrate finden sich ebenfalls häufig in Bordüren von Kelims aus Südpersien.


 Ausgestellte Kelims